Wenn DIE HEITERKEIT am 4. April 2025 die Bühne des Kölner artheaters betritt, erwartet das Publikum kein ekstatischer Hamburger Schule Abend mit Mitsing-Hymnen. Stattdessen fasziniert die Band um Songwriterin und Sängerin Stella Sommer ihre Zuhörer mit schwermütiger Eleganz. Mit ihrem neuen Album „Schwarze Magie“ setzt die Künstlerin ein deutliches Statement – nicht nur musikalisch – sondern auch durch ihre bewusste Entscheidung, die Platte nicht auf Streaming-Diensten wie Spotify zu veröffentlichen.
Ein Zauber aus Melancholie und Widerstand
Der Musikexpress beschreibt es als eine Sammlung von Balladen, die „getragen im Tempo, gedeckt in der Melodie und lyrisch in der Sprache“ daherkommen, und stellt fest: „Man kommt aus dem Tränenverdrücken gar nicht mehr heraus.“ Doch „Schwarze Magie“ ist nicht nur traurig, sondern auch subtil ironisch und selbstbewusst. Im gleichnamigen Titelsong zeigt Sommer, deren Songwritingskills inzwischen in anderen Sphären schweben, als noch beim Frühwerk, welches von handwerklich soliden Indienummern wie „Für den nächstbesten Dandy“ geprägt war, eine Meisterleistung der Dialektik von Leichtigkeit und Schwere. Wäre das Album in den 2000er Jahren erschienen und von einer Männerband geschrieben worden, würde es heute ganz oben in diesen Bestenlisten geführt werden, mit denen sich die letzten Musik-Printmagazine noch einen Rest an Relevanz vorgaukeln.
Die Unsichtbarkeit von Musik jenseits der Algorithmen
Sommer selbst äußerte sich kürzlich kritisch über die Sichtbarkeit von Musik abseits der Streamingdienste. In einem Social-Media-Post klagte sie, dass es sich oft anfühle, „als würde man neue Songs in einen digitalen Abgrund hineinwerfen“. Die Reichweite, die Plattformen wie Spotify und Meta künstlich beschränken, entwertet ihrer Meinung nach Musik als kulturelles Gut. Sie rät ihren Fans, aktiv zu unterstützen: Platten kaufen, Konzerte besuchen, die Musik weitersagen – kurz: nicht passiv konsumieren, sondern bewusst Anteil nehmen. Mag dieser Verzicht auf das übliche Streaming-Ritual auf den ersten Blick wie ein Sichtbarkeitsverlust wirken, ist er doch in Wirklichkeit das letzte Aufbäumen, eine bewusste Entscheidung gegen die Schnelllebigkeit und Beliebigkeit algorithmisch generierter Wiedergabelisten.
Ein Abend, der hängen bleibt
Am 4. April 2025 spielt DIE HEITERKEIT also im artheater, und das wird hoffentlich – in Relation zur mutigen Veröffentlichungsstrategie der aktuellen Platte – kein gewöhnlicher Konzertabend. Vielleicht nehmen Stella Sommer und ihre Band das Publikum an dem Abend mit auf eine Reise, durch Melancholie und Ironie, wie ihnen das auf ihrer neuen und bisher Platte „Schwarze Magie“ sehr gelungen ist. Ohne viel Schnickschnack, sondern mit einer ehrlichen und intensiven Präsenz, die Raum lässt für nachdenkliche Momente. Es geht um Musik, die mehr ist als nur Hintergrundgeräusch – und um die Frage, wie man Musik heute noch hören kann, ohne sich von Algorithmen und Streamingdiensten treiben zu lassen. Wer Lust auf einen Abend mit ein bisschen Widerstand hat, sollte sich das nicht entgehen lassen.
Tickets gibt es hier.
Foto: Miguel Martín Betancor