Mit der dritten Veröffentlichung im nicht mehr ganz so neuen Jahrtausend FREI VON ALL DEM HIER bekommen die Punk-/ NDW-Urgesteine von Brausepöter endlich annährend die Aufmerksamkeit, die Ihnen zusteht.
Irgendwie wird die Geschichte mit mir und Brausepöter nichts mehr. 2017 im Tsunami live verpasst, im letzten Jahr den Auftritt mit Petra Buchholz ebenso. Dazu hat Martin Lück schon im November 2025 die Platte vorab an JMC geschickt und ich vergaß bei der Besprechung auf den Veröffentlichungs-Button zu drücken. Tja, Kompetenz ist auch nur eine andere Form von Viellaberei. Egal, die Musik bleibt. Und da knüpfen Brausepöter an die tolle Platte NERVEN GESCHÄDIGT von 2019 an mit dem zeitlosen Elder Statesment-Lied Pogo ganz allein.
Wobei der Sound auf FREI VON ALL DEM HIER schon wieder einen Schritt weiter geht. Die Stimmung wirkt weniger kühl-abgeklärt als angenehm-aufgekratzt. Die Basis bildet weiter ein reduzierter, schroffer Gitarrensound aus dem Fall – und Fehlfarben – Kosmos, der die 1980er wiederaufleben lässt, aber zugunsten eines leicht-nostalgischen Synthie Sounds in den Hintergrund tritt. Es bleibt insgesamt minimalistisch, aber durch die Synthies in Verbindung mit den eingängigen Hooks, ergibt sich ein gewisses Pop-Appeal.
Das klappt am besten bei dem stoisch vorgetragenen Opener Muschelvergiftung und erst recht bei dem aufgekratzten Treffen im November, in dem die Gitarren kurz ein Comeback im Fahrersitz feiern dürfen. Ähnlich läuft es bei Psychokiller, in dem die Gitarren aber weniger den harten Anschlag suchen als eher einen entspannten Kontrast zu dem eher abstrakt – dadaistischen Text bilden. Persönliches Highlight sind dann noch das nostalgisch-schwelgerische St.Etienne, wo die immer alte Frage diskutiert wird, warum an Orte zurückgekehrt wird, die eigentlich hinter einem bleiben sollten. Eine weiterer Kontrast ist das Bar-Piano in Tony Blair, was noch mal eine ganz-andere, popig-organische Seite der Band zeigt. Man möchte im ersten Moment für die Stabreime die Band durchschütteln, aber durch die Piano-Melodie macht alles einen Sinn.
Insgesamt bieten Brausepöter mit FREI VON ALL DEM HIER einen relativ zeitlos klingenden Musikstrauß, der die Farben aus ihren verschiedenen Schaffensphasen stimmig zusammenbindet.
VÖ:14.11.2025, https://brausepoeter.bandcamp.com/
Tracklist: Muschelvergiftung/Kaltes Wasser /Treffen im November /Abhängig von Musik/St.Etinne/Psychokiller/Tony Blair/Eine Stimme sagt/Letzte Rettung/Desolat/ Wie Weezer/Nicht noch mehr davon
Unsere Wertung: 7/10




