Kein Schienenersatzverkehr nach Bonn, nur die üblichen Aufenthaltszeiten in Brühl. Dem Konzertbesuch im Bla stand nichts im Wege, außer wildgewordene Instagrammer, welche die Kirschblüten in der Bonner Nordstadt ablichten wollten.
Leider war im Bla weniger los, als auf den Blütenstraßen. Entgehen sollte den Leuten ein energiegeladener Auftritt der Post-Punker von Shatten aus Hamburg. 3/5 der Band haben vorher bei den wunderbaren Findus gespielt. Gerade bei Sänger Simeon mit seiner unverwechselbaren Stimme, stellt sich direkt der Aha-Effekt ein.
Den Anfang macht MPC Lafote. Das Ein-Mann Projekt macht linkphilosophischen Elektropop mit treibenden Beats und einprägsamen, deutschsprachigen Texten. Trotz der Minimalbesetzung kommt keine Langeweile, stattdessen kommt mit zunehmender Dauer immer mehr Bewegung in die abgezählten Besucherinnen.
Da aktuelle Album von Shatten GEGENWART ist gespickt mit Hits, die sich sofort ins Hirn schrauben und es nicht mehr verlassen wollen. Diese werden mit hoher Liveenergie und einem rauhen Live-Sound auf die Bühne gebracht. Nach einigen, technischen Schwierigkeiten mit den Monitoren, bei denen sich Schlagzeuger Danny Schmitdtbauer als ruhender Pol auf der Bühne präsentiert und gekonnt über die Pausen hinwegspielt, konnte die Band richtig loslegen. Emotionale Höhepunkte sind die eher ruhigeren Stücke wie Chinaschilf, der Opener Paranoia oder das düstere Raben. Sänger Simeon nimmt die geringe Zuhörerzahl mit dem nötigen Humor und gibt gefühlt eher 110%. Trotz des mageren Besuch wird der Tresen geentert und die ganze Breite des Blah für die Performance genutzt. Dabei können auch die eher kurzen, corigen Brettersongs vom ersten, selbstbetitelten Album wie Löcher in der Luft oder Error 2000 überzeugen. Da Shatten Norddeutsche sind, kommt der Abend natürlich nicht ohne Shanty aus. Das bittersüße Wuppertal im Gruppenquintett vorgetragen, mit dessen Ende dann der Regen über Bonn einsetzt. Aber da muss der Ostfrisennerz dann herhalten.





