Das 43. Haldern Pop Festival war, wie sehr viel Haldern Festivals, für manche eine Wundertüte. Die Kenner*innen – und das sind in Haldern nicht wenige – unkten bereits im Vorfeld, dass das Line Up gespickt ist von musikalischen Perlen, die nur darauf warten, entdeckt zu werden. Um es vorwegzunehmen: Von der Dichte der Bands, die beim Publikum offene Münder hervorgerufen haben, gehörte diese Ausgabe des Haldern Pop Festivals wahrscheinlich zu den musikalisch besten in der Historie.
Bereits bei der Anfahrt am Mittwoch ist zu erkennen, dass dieser Tag von einem sehr hohen Prozentsatz der Besucher*innen zur Anreise genutzt wird. Bereits um kurz vor zwei staut es sich bis zur den Ortseinfahrten des Lindendorfes. Einmal auf dem bereits sehr gut gefüllten Campingplatz angekommen, gilt es erstmal zu erkunden, ob sich denn alle über die Jahre liebgewonnenen Nachbar*innen an ihren angestammten Plätzen niedergelassen haben. Eine Sache, die das Haldern Pop Festival ausmacht: Man überlegt sich bereits vorab, ob wohl die Mädels und Jungs aus Bielefeld, Bocholt oder auch Köln an ihren traditionellen Plätzen auf dem Zeltplatz zu finden sind. Entsprechend groß ist dann natürlich die Wiedersehensfreude.
In Haldern geht’s natürlich um Musik. Um das Entdecken neuer Bands. Um das Auffüllen der Lebensbatterie für den Winter. Ein immanent wichtiger Faktor neben der Musik, der das Haldern Pop Festival eben auch zu einer Tankstelle für Lebensenergie macht, ist die Gemeinschaft des Publikums. Denn auch in diesem Jahr bleibt festzuhalten, dass das Haldern Pop sich glücklich schätzen kann, ein solch interessiertes, entspanntes, hilfsbereites und warmherziges Publikum zu haben. Da muss man dann halt auch mal in den gar nicht mal so sauren Apfel beißen und eine Band sausen lassen, wenn das Getränk und die Gespräche mit alten und neuen Freund*innen – und das sind meist nicht wenige – in diesem Moment wichtiger erscheinen.
Nach dem Aufbau und den Begrüßungsgetränken auf dem Campingplatz geht es für uns in den Ort. Auch da ist es meist der sinnvollste Weg, sein eigenes „organisatorisches Korsett“ nicht zu eng zu schnallen, da man fortwährend Bekannten begegnet und es eben diese Wiedersehen sind, die das Haldern Pop Festival ausmachen. Nach den vielen Begegnungen steht für uns die Lesung mit Mille Petrozza von Kreator und Torsten Groß in der Kirche auf dem Programm. Ob es an unseren alten Ohren oder vielleicht doch an der Akustik liegt, wollen wir schlussendlich nicht beurteilen, wir hatten jedoch Schwierigkeiten, den Ausführungen von Torsten zu folgen und hätten uns ein wenig mehr Redeanteil von Mille gewünscht.
Am Donnerstag geht es für uns recht spät auf dem Festivalgelände los. Der Einstieg mit Herbst und Horsegirl gerät für uns eher unspektakulär. Während Horsegirl füllt sich das Niederrheinzelt zu iedereen zusehends. Bereits beim Soundcheck ist das Zelt proppenvoll und die Reaktionen des Publikums lassen erahnen, dass bei iedereen die Statik des Zeltes ihren ersten Härtetest zu überstehen hat. Was zu Beginn des Konzertes gut zu beobachten ist und was sich am Wochenende mehrfach bestätigen sollte, dass der Funke nicht immer von der Band auf das Publikum überspringen muss, sondern dass auf dem Haldern der Funke nicht selten vom Publikum auf die Band überspringt und es während des Konzerts dann ein gemeinsames ekstatisches Aufschaukeln ist. Dies liegt unter anderem an der unvergleichlichen Offenheit und Neugier des Publikums, was man daran festmachen kann, dass jedes Konzert, egal wann es stattfindet, überdurchschnittlich gut besucht ist. Eine Tatsache, die viele Bands überrascht und – zu erkennen am leicht debilen Dauergrinsen – außerordentlich zu erfreuen scheint.
So gerät dann auch das Konzert der Lokalmatadore von iedereen zu einem Triumphzug par excellence. Das Publikum schreit und poged sich dich Seele aus dem noch frischen Leib und die Band, so macht es den Eindruck, würde am liebsten niemals aufhören.

Foto: Denis Schinner
Nach dem fachmännischen Abriss von iedereen geht es zur Hauptbühne zu Friko. Die Band aus Chicago gehörte vorab zu den Bands, die bei der Vergabe um den heißbegehrten Titel der meisten Vorschusslorbeeren zu den Favoriten gehört haben dürfte. Meistens ist das ja so eine Sache mit den Vorschusslorbeeren, oft können die hohen Erwartungen dann doch nicht erfüllt werden. Anders bei Friko. Recht schnell gewinnt man den Eindruck, dass hier eine Band auf der Bühne steht, die für Höheres bestimmt ist. Sänger Niko Kapetan strahlt, angetrieben von einer wahnsinnig gut eingespielten Band, eine Energie und Leidenschaft aus, die sich sofort auf das Publikum in der staubigen Nachmittagshitze überträgt. Spätestens zu diesem Zeitpunkt ist man sich bereits sicher, dass das diesjährige Haldern wiedermal musikalische Maßstäbe setzen wird.
Im Anschluss rufen im Niederrheinzelt die frühen 90’er an und Bleech 9:3 gehen ran. Selten hat man eine Band gesehen, die so stilecht die Zeitmaschine in die Vergangenheit nimmt und den Sound der Generation X derart zeitgemäß in die heutige Zeit übersetzt.

Foto: Denis Schinner
Klar, kann man sich ein wenig am Habitus der jungen Iren stören, aber musikalisch ist das ein ordentliches Brett, das den Überbleibseln der Generation X im Niederrheinzelt ordentlich „Haut von Gans“ und den Jüngeren auf eine Reise zurück in die Jugend der Eltern beschert. Davon wird man noch viel von hören!
Nach Bleech 9:3 verzaubert Jacob Alon mit seinem wundervollen Singer-Songwriter Pop den Reitplatz.

Foto: Denis Schinner
Ein perfekter Slot, um beseelt in den ersten „richtigen“ Festivalabend zu starten und sich ein wenig Energie aufzusparen für die noch folgenden Westside Cowboy, Black Country, New Road, GANS und Hex Girlfriend.
Westside Cowboy aus Manchester sind im Moment im Vereinigten Königreich in aller Munde. Bemerkenswert vor dem Hintergrund, dass die Band zum Zeitpunkt des Haldern Pop Festivals noch kein Album veröffentlicht hat. Warum sie jenseits des Ärmelkanals so hoch gehandelt sind, wird dann während ihres Konzertes schnell klar.

Bild: Denis Schinner
Unprätentiöser Indierock, der live nochmal deutlich punkiger klingt als aus der Konserve und eine sehr nahbare Band, denen der erst kurze Ruhm in ihrer Heimat offensichtlich noch nicht zu Kopfe gestiegen ist.
Black Country, New Road, ist wohl die bekannteste unbekannte Indie Band der Welt. Soll heißen, das „normale Publikum“ kennt die Band, mindestens von ihrem Song „Haldern“, die „Nerds“ sind der Band verfallen und in Musikerkreisen genießen die Londoner einen nahezu legendären Ruf. Die Konzerte von Black Country, New Road sind immer eine kleine Wundertüte. Am lauen Haldern Donnerstagabend schaffen sie es, auf der wahrscheinlich schönsten Hauptbühne der hiesigen Festivallandschaft eine ganz besondere Atmosphäre zu kreieren. Ein tolles Konzert einer Band, von der man den Eindruck hat, sie fühlen sich in Haldern zuhause.
GANS und Hex Girlfriend spielen am späten Abend gleichzeitig im Spiegel- und Niederrheinzelt. Etwas schade für die, die Hex Girlfriend nicht bereits in der Pop Bar gesehen haben. Klingt die Band auf Platte ein wenig sperrig, so schafft das Duo um Thom Yorkes Sohn Noah es mit ihrem tanzbaren Rave Rock im Handumdrehen, das Niederrheinzelt zu einem schwitzenden Moshpit zu verwandeln.

Foto: Denis Schinner
In eine ähnliche Kerbe schlagen GANS im Spiegelzelt. Ausgestattet mit dem Ruf, jeden Club in kürzester Zeit in Schutt und Asche zu legen, lässt das Duo sich nicht lange bitten, dass proppenvolle Spiegelzelt innerhalb kürzester Zeit zum ekstatischen Tanzen zu bringen. Eines dieser Konzerte, bei dem sich Band und Publikum gegenseitig derart berauschen, dass man gar nicht wahrhaben möchte, dass das Konzert auf einmal vorbei ist.

Foto: Denis Schinner
Den Abschluss für uns machen am Donnerstag Deki Alem aus Schweden. Hat man vorab noch etwas ungläubig die Nase gerümpft ob der Tatsache, dass ein doch fast gänzlich unbekanntes schwedisches Zwillingspärchen, die sich dem Hip-Hop verschrieben haben, die Hauptbühne abschließen sollen, so verfliegt die Skepsis während des Auftritts sehr schnell und macht Platz für offene Münder und bouncende Köpfe. Wieder mal ein kleiner Geniestreich von Stefan Reichmann, dessen Mut mit einem sehr gut gefüllten Reitplatz und der einhelligen Meinung, einem bockstarken Donnerstagabschluss beigewohnt zu haben, belohnt wird.
Der Freitag beginnt für uns fast genauso wie der Donnerstag, nur dass der Ort ein anderer ist. Will sagen, mit iedereen, aber diesmal im Spiegel- und nicht im Niederrheinzelt. Dass der Auftritt im Niederrheinzelt wahrscheinlich zu einem der besten Auftritte am Donnerstag gehörte hat, hat sich wie ein Lauffeuer herumgesprochen und so ist das Spiegelzelt schon sehr früh bis auf den letzten Platz gefüllt. Iedereen lassen sich nicht lange bitten und bringen nahezu das gesamte Zelt bereits am frühen Freitagnachmittag zum Eskalieren. Kurze, knackige Punk Hymnen, gute und vor allem relevante Ansagen und ein klitzekleiner Lokalmatador-Bonus sind das Rezept, das beim Publikum im Spiegelzelt hervorragend ankommt. Bemerkenswert, dass es auf Ansage der Band bei einem Song eine reinen FLINTA Moshpit gibt. Leider ebenfalls bemerkenswert, wie schade es ist, das Moshpits heutzutage immer noch überwiegend männerdominiert und testosterongeschwängert sind.

Foto: Denis Schinner
Am Ende überziehen iedereen sogar kräftig, weil sie gefühlt den Moment nie mehr loslassen wollen. Ein klassischer, ungefährdeter Heimsieg.
Im Anschluss an iedereen haben wir das wunderschöne Wetter genutzt, um zu – wie man neudeutsch sagt – „socializen“. Gibt es dafür einen schöneren Platz als der Biergarten von Bauer Gerd Venhuis? Rhetorische Frage!
Das Problem an diesem wunderschönen Biergarten und an den Begegnungen dort ist, dass man ganz schnell die Zeit aus den Augen verliert.
So sind wir dann auch erst zu Nectar Woode vor der Hauptbühne, die an diesem Freitag zu dieser Zeit bei diesem Wetter eine perfekte Show spielt.

Foto: Denis Schinner
Sehr viel Soul, eine Prise Jazz und ein wenig Folk und fertig ist eine Melange, die nicht besser in dieses Setting hätte passen können, um beschwingt in den weiteren Abend mit Naika, Asaf Avidan und The Notwist überzugehen.

Foto: Denis Schinner
Naika tut es Nectar Woode dann gleich, abgesehen davon, dass bei ihr alles etwas routinierter wirkt. Kein Wunder, hat sie in diesem Jahr u.a. beim Roskilde Festival auf der Bühne gestanden. Nichtsdestotrotz funktioniert ihr World Pop an diesem sonnig-warmen August ganz hervorragend auf dem Reitplatz. Einzig die Ventilatoren vor ihr auf der Bühne, die sie und ihre Haare während ihres Auftrittes unentwegt anpusten, lassen uns etwas irritiert zurück.
Nach Naika wird die Hauptbühne recht lange für den Auftritt von Asaf Avidan umgebaut. Ehrlicherweise habe wir Kulturbanausen Avidan immer so ein wenig als One-Hit-Wonder mit der fiepsigen Stimme abgespeichert. Entsprechend beschränkt sich die Vorfreude auf sein Konzert dann auch auf: „Lass mal die ersten zwei Songs anschauen und dann vielleicht was essen gehen.“ Was dann jedoch geschieht, ist uns in unserer inzwischen gut 20-jährigen Haldern Karriere auch noch nie passiert. Bereits beim ersten Song hatten wir ein massives Mundschlussproblem.

Bild: Denis Schinner
Die Präsenz, die Avidan da ab dem ersten Ton auf die Bühne zaubert, ist etwas, was nur ganz wenige Künstler*innen in dieser Form können. Mal abgesehen davon, dass die Befürchtung, dass seine doch recht besondere Stimme nach spätestens zwei Songs nicht mehr trägt, sich innerhalb kürzester Zeit in Luft auflöst, liefert der Israeli ein Set ab, das irgendwo zwischen Varieté, intimen Singer-Songwriter-Konzert und Stadion changiert. Und das macht er mit einer Chuzpe und Souveränität, dass man aus dem Staunen nicht mehr herauskommt. Dazu ein wahnsinnig stimmiges Bühnenbild und ein ganzer Blumenstrauß an Songs, die es einem das ein oder andere Mal ob ihrer Schönheit kalt den Rücken herunterlaufen lässt.
Hot Take: Das war, zumindest für uns, eines der besten Konzerte, das wir je auf dem Reitplatz gesehen haben.
Was uns im Anschluss ein wenig beängstigt, ist die Frage, wie The Notwist es wohl schaffen würden, nach diesem Auftritt die Spannung aufrechtzuerhalten. Aber The Notwist wären nicht The Notwist, wenn ihnen das nicht ab Sekunde eins ihres Gigs gelingen würde. Die Acher Brüder mit ihrer Band sind nicht nur alte Indie Veteranen mit unfassbar vielen Indieperlen im Gepäck, nein, sie sind auch Profis genug, mit einer tollen Setlist, unbändiger Spielfreude und ihrer verschrobenen Genialität, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen.

Bild: Denis Schinner
Selbst der Spruch „Bei The Notwist Konzerten muss man sich die ersten 15 Minuten durchbeißen, aber dann wird’s großartig“ greift an diesem lauen Spätsommerabend nicht. Nachdem sie noch recht ruhig mit „Teeth“ von ihrem aktuellen Album „News from Planet Zombie“ starten, bringen sie mit dem anschließenden, wunderbar rumpeligen Indiepunkkracher „X-Ray“ den Platz vor der Hauptbühne mächtig in Bewegung. The Notwist spielen ein beängstigend gutes Set, gespickt mit Songs des aktuellen Albums und den – sie mögen es uns verzeihen – Hits besonders von „Neon Golden“. An einen so starken Freitag auf der Hauptbühne wird man sich in Haldern noch lange zurückerinnern, da sind wir uns sicher.
Nach dem wahnsinnig guten Freitag, haben wir ein paar Probleme, in den Samstag hinein zu starten. Der Samstag ist eh so ein Tag, der es einem per se nicht leicht macht. Auf der einen Seite freut man sich auf einen tollen Festivalabschluss, auf der anderen Seite ist man sich bewusst, dass es bereits der letzte Tag des Festivals ist, auf das man ein Jahr hin gefiebert hat. Entsprechend ist die Laune am Samstag zunächst ein wenig verkatert. Alles nervt ein wenig: die Sonne, die an diesem Tag nochmal alles gibt, manchen Nachbar*innen bereits beim Abbau zusehen zu müssen und nicht zuletzt der in diesem Jahr doch sehr penetrante Staub, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, auch das letzte Lungenbläschen zu verstopfen.
Unser musikalischer Samstag startet mit The Love Buzz aus Irland auf der Hauptbühne. Drei Lausbuben, die auf der großen Bühne offensichtlich die Zeit ihres Lebens haben und dem Publikum am sehr frühen Nachmittag ein ordentliches Indie Punk Brett um die verstaubten Ohren hauen. Finden wir zunächst gut, verliert im Laufe der Show aber etwas seinen Reiz, weil zum einen die Songs ein wenig redundant sind und zum anderen die Albernheit der Band etwas zu sehr die Oberhand gewinnt. Alles in allem eine interessante Band, die aber in einem der beiden Zelte besser aufgehoben gewesen wäre.
Julia Effekt aus Österreich machen das, was man neudeutsch Neo Neue Deutsche Welle nennt. Ein Genre, dass sich zuletzt immer größerer Beliebtheit erfreut. Während in Deutschland Protagonist*innen wie beispielsweise Edwin Rosen bereits Hallen füllen, sind Julia Effekt in hiesigen Gefilden noch nicht so bekannt. Was uns direkt erstaunt und immer wieder auffällt, dass es in unserem alpinen Nachbarland Bands gibt, die hier kaum jemand auf dem Schirm hat, die aber mit einer Professionalität und einem riesigen Talent gesegnet sind.

Bild: Denis Schinner
So beeindrucken die Österreicher durch eine wirklich bemerkenswerte Bühnenpräsenz und einem der sicherlich druckvollsten Sounds des gesamten Wochenendes. Sänger Konstantin Mues-Boeuf beackert die Bühne und wirkt dabei nicht selten wie der junge Ian Curtis. Wirklich bemerkenswert vor dem Hintergrund, dass die Band in der Zusammensetzung noch gar nicht so lange existiert. Leider ist der Habitus dann doch gelegentlich ein wenig zu pathosbehaftet. Insgesamt ein Konzert, das durch die Soundwand und die beeindruckende Bühnenpräsenz der Band im Gedächtnis bleibt.
Die anschließenden chest aus Frankreich lassen das Niederrheinzelt an diesem Wochenende ein weiteres Mal erbeben. Irgendwo zwischen Noise- und Post Punk wird schnell klar, warum die Band als Support für die Fontaines DC auf ihrer Arenen Tour ausgesucht wurde. Die unbändige Energie der Pariser trifft das etwas „samstagsmüde“ Publikum wie einen Tsunami. So kann man getrost und nassgeschwitzt in das Festivalfinale starten.
Auf The Itch hatten sich vorab nicht wenige gefreut. Man lehnt sich nicht zu weit aus dem Fenster, wenn man behauptet, dass es auch um das Duo aus London vorab einen kleinen Hype gab. Dementsprechend waren viele froh über die Tatsache, dass der Slot von The Itch vom Spiegelzelt auf die Hauptbühne verlegt wurde – wir sind uns da im Nachgang nicht so sicher. Natürlich ist der Auftritt der Briten wild und natürlich wird man von der Band zukünftig noch hören, aber die Energie, die zweifelsohne auch vor der Hauptbühne zu spüren ist, hätte sich im Spiegelzelt wahrscheinlich nochmal potenziert und eine richtig gute Show auf der Hauptbühne zu einer legendären im Spiegelzelt werden lassen.
The 113 im Niederrheinzelt schlagen in eine ähnliche Kerbe wie chest. Wahnsinnig energetischer Post Punk, der das Zelt erneut vor eine statische Herausforderung stellt. Haben wir uns vor einigen Jahren noch ein wenig daran gestört, dass uns in Haldern die Gitarren zu kurz kamen, so ist das in diesem Jahr komplett anders. Gerade vor dem Hintergrund, dass 90‘er Gitarrenmusik bei der jüngeren Generation aktuell komplett durch die Decke geht, ist es eine sicherlich sehr gute Entscheidung, diese Nachfrage beim 43. Haldern Pop in dieser Form zu bedienen. Sicherlich auch einer der Gründe, warum sich das Publikum in diesem Jahr erkennbar verjüngt hat.
Den Höhepunkt für viele und den Festivalabschluss für uns bilden am Samstagabend die Sportfreunde Stiller. Okay, auch wir haben bei der Bekanntgabe der Sporties leicht die Nase gerümpft. Nach 25 Jahren und doch einigen musikalischen Unwägbarkeiten waren wir uns nicht sicher, ob die Sportfreunde und Haldern noch ein Match sind. Umso gespannter konnte man sein, wie voll es werden würde und wie groß die Begeisterung auf beiden Seiten der Bühne sein würde. Als ein paar Tage vor dem Festival verkündet wurde, dass der Festivalsamstag ausverkauft sein würde, war klar, die Sportfreunde ziehen offensichtlich doch noch viele Leute gen Reitplatz.

Foto: Denis Schinner
Und ja, Asche auf unsere angegrauten Häupter. Als Flo, Rüde, Peter und Tourgitarrist Mario Radetzky von den Blackout Problems dann auf der Bühne stehen, ist mit einem Mal jegliche Skepsis verflogen. Der Band nimmt man sowas von ab, wie sehr sie sich freuen, nach über 20 Jahren wieder auf dem Haldern Pop Festival zu sein und das Publikum erwidert diese Freude ab dem ersten Ton. Der Platz ist knüppelvoll und man schaut in unglaublich viele ungläubig-begeisterte Kinderaugen, die nur so vor Textsicherheit strotzen und in Gesichter von Eltern, die sich in ihre Jugend zurückversetzt fühlen und wahnsinnig stolz sind, dass ihre „Kleinen“ den eingeschlagenen musikalischen Weg der Eltern fortsetzen. Sollte eine der Intentionen von Stefan Reichmann beim Booking der Sporties gewesen sein, viele ganz junge Kinder mit ihren Eltern nach Haldern zu lotsen, dann ist dieser Plan zu 100% aufgegangen. Man kann sich sicher sein, dass nach diesem Konzert, an diesem lauen Sommerabend, auf dieser Bühne viel Nachwuchs für die kommende Jahre gewonnen wurde. Kurz zusammengefasst, feiern die Sportfreunde das Haldern, das Haldern die Sportfreunde und so schaukelt man sich in einen Rausch, der für viele der Anwesenden, trotz zweistündiger Spielzeit, viel zu schnell vorbeizieht. Man muss kein Fan der Band sein, um ganz klar konstatieren zu können, dass das ein klassischer Start-Ziel Sieg der Sporties ist.
Nach dem Konzert sind unsere Herzen voll und unsere Lungen auch, leider nur mit Staub, sodass wir beschließen, den Abend mit unseren Freund*innen am Zelt ausklingen zu lassen. Am nächsten Morgen heißt es: früh raus, abbauen und den Zeltplatz so sauber übergeben, wie wir ihn am Mittwoch vorgefunden haben.
Das 43. Haldern Pop Festival war auf allen Ebenen nahezu das perfekte Festival. Die eh schon wundervollen Gegebenheiten, die Haldern bietet, sind durch die wunderbaren Helfer*innen, das großartige Publikum und die vielen unglaublich guten Bands mit so viel Leben gefüllt worden, dass man sicher sein kann, in der kommenden dunklen Jahreszeit noch oft mit einem seligen Lächeln auf das erste Augustwochenende 2026 zurückzublicken, in der Gewissheit, im nächsten Jahr an derselben Stelle, alte und neue Freund*innen, alte und neue Lieblingsbands und die wunderbaren Dorfbewohner*innen wiederzutreffen.
Wer es, wie wir, kaum abwarten kann, dem sei das Kaltern Pop Festival wärmstens ans Herz gelegt. Haldern in noch familiärer und in einer der wahrscheinlich spektakulär schönsten Landschaften Europas.

Foto: Denis Schinner
Wer schonmal bei diesem Festival in Kaltern in der Genussregion Südtirol war, wird eine gewisses Suchtgefühl verspüren, immer wieder dort hinzuwollen. Wo kann man schon mit seinen Lieblingskünstler*innen zusammen vor Bars, wie dem „Lustigen Krokodil“ aka der „Kaltern Pop Bar“, sitzen und bei einem Glas Lagrein über das Leben philosophieren? Wir sagen nur: Erlend Øye und Udo Jürgens….
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Für all die, die es nicht nach Kaltern schaffen: der VVK für das 44. Haldern Pop Festival hat Anfang Oktober begonnen. Kauft möglichst frühzeitig Karten oder verschenkt Tickets zu Weihnachten, denn ein früher Kauf heißt für die Veranstalter*innen etwas mehr Planungssicherheit und für euch längere Vorfreude. Wir sehen uns am zweiten Augustwochenende 2027 auf dem alten Reitplatz. Deal? Deal!
TICKETS FÜR DAS 44.HALDERN POP FESTIVAL 2027: KLICKE HIER






